So oder so ähnlich kam mir dieser Montag vor: Viele, viele check-outs und last-minute-Einkäufe im gift shop. Es fühlte sich eigentlich nicht an, als sollte das der letzte check-out-Tag der Saison sein – zumindest im Büro. Im dining room und in der Küche ging es gleich nach dem Frühstück hoch her mit den Vorbereitungen auf den Winter: Abstauben, verstauen, sauber machen, etc. pp. Es hat lange genug gedauert, dass die Verwandten der besten Zimmergenossin von allen auch mich mit nach Toronto nehmen konnte. Anfänglich sah es so aus, als würde das nicht klappen, so dass mich diese sich eher spontan ergebene Situation mich so überraschte und stresste (so von wegen: Ist auch wirklich alles gepackt? Was muss noch in den Koffer, was in den dumpster?), dass nur ein paar Abschiedstränen geflossen sind. Auch wenn ich immer gesagt habe: Ich hocke im Wald – Severn Lodge und die Leute dort werden mir ganz sicher fehlen!
Archiv der Kategorie: Severn Lodge
Thanksgiving Dinner
Es ist so Tradition in Severn Lodge, dass an Thanksgiving nach den Gästen auch die Mitarbeiter (plus einen 93-jährigen Gast, der schon viele, viele Jahre hierher kommt und somit quasi zum Inventar gehört) selbst ein Thanksgiving Dinner haben. Schön war es und sehr lecker. Der mittlere Oberboss hat ein Gebet gesprochen, hat uns gelobt, der oberste Oberboss und seine Frau konnten gar nicht darüber fertig werden, dass wir wohl die kleinste Gruppe aller Zeiten waren… Jeder durfte ein “I am thankful for…” sprechen. (N.B.: Die Gärtnerin hat mich mit ihren Worten fast zum Heulen gebracht – die richtige Mischung aus netten Worten, sanfter Musik und Hormonen macht das manchmal mit mir ;). Es war sehr, sehr, sehr schön – mit Ausnahme der einen Unterbrechung. Am front desk lag ein Zettel, wo ich in dringenden Fällen zu finden sei und es gab doch tatsächlich einen Vater, der runtergekommen ist. Batterien brauchte er ganz, ganz dringend. Seine Tochter bräuchte die für irgendeinen Elektronikschnickschnack, ohne den sie nicht einschlafen könnte. Das war auch dasselbe Mädchen, das am Nachmittag komplett ausgerastet ist, weil erst das Namenschild auf ihrem Kürbis weg war, dann das schnell von mir organisierte Namenschild nicht das war, das dort am Vortag war, dann der Kürbis nass war, weil er im Regen lag, ich ihn dann trocknen wollte und ihre Schwester ihn dann zu allem Überfluss angefasst hat. Ach ja, ich liebe Kinder…
Als ich von den closing procedures kam, hatte der mittlere Oberboss die Bar für sich und die Mitarbeiter geöffnet. Er wollte mich gerne betrunken sehen und reichte mir erst ein Bier und dann zwei Schnaps. Mal abgesehen davon, dass es etwas mehr braucht, damit ich lallend am Boden liege, ist mir kampfsaufen zu platt… Ich war noch eine Weile da, aber als dann langsam der Kontrollverlust einsetzte, setzte ich mich ab… Zu früh, wie sich am nächsten Morgen herausstellte: Der mittlere Oberboss hat einen der Beiköche eine Glatze rasiert und der ehemalige maintenance guy seinem Nachfolger. Ähm… ja.
All Kids for Kidsclub III – das Gematsche geht noch weiter
Sonntag, Punkt 15 Uhr ging das Gematsche weiter – diesmal mit pumpkin carving. Diesmal hatten wir die Tische besser hingestellt, so dass sich die Kinder nicht mehr gegenseitig – sei es absichtlich oder unabsichtlich – beschmieren. Kein gutes Gefühl, Kinder zwischen 4 und 15 mit einem Messer auf einen Kürbis zugehen zu sehen – auch wenn die Eltern dabei sind… Es sind aber einige schöne Exemplare entstanden (Obwohl ich den Eindruck hatte, dass der eine oder andere Vater das ganze Jahr geübt hat, um an Thanksgiving gut dazustehen…

All Kids for Kidsclub II – das Gematsche geht weiter
Das Thanksgiving Programm für diesen Sonntag: Hayride (= ein Mal mit einem mit Heu belandenen Traktor übers Gelände fahren – bei Schnee, Wind und Kälte. Die Gäste waren begeistert, so dass noch 6 weitere Runden gefahren wurden (jedes Mal mit anderen Gästen) – ich hatte ja schon noch einer Runde genug und stellte mich seelig und moralisch auf den Nachmittag ein: Kekse mit Kinder verzieren. Klingt an und für sich nicht so dramatisch, war es auch nicht. Es war viel mehr eine riesengroße Sauerei. Die dining room managerin und ich (wie, wann und weshalb ausgerechnet wir zwei zusammen die Kinder bespaßen mussten, wird wohl ewig das Geheimnis des mittleren Oberbosses bleiben) hatten Zuckerguss in vier – äußerst unnatürlichen – Farben angerührt. Die Küche hatte Kekse in Ahornform gebacken – noch und nöcher. Außerdem hatte jemand Streusel in den wunderlichsten Farben und Formen besorgt. Das Gematsche Verzieren konnte also um genau 14 Uhr starten. Ich hatte den Zuckerguss kaum herausgetragen und die dining room managerin hatte kaum den Startschuss gegeben, als das erste Kind auch schon Zuckerguss in den Haaren hatte. Das Ende vom Lied: Eine verwüstete front porch, zerbröselte Kekse überall, Zuckerguss überall, Streusel alle, die Kinderbespaßungstante fix und foxy, aber die Kinder mehr als glücklich. Übrigens habe ich folgende Erkenntnis gewonnen: 5-Jährige können oder wollen sich offenbar nicht entscheiden: Es musste von jeder Farbe Zuckerguss und Streusel auf den Keks und weil Steusel auf Zuckerguss ja langweilig sind, wurde der Zuckerguss-Streusel-nochmehrZuckerguss-Lagenkeks kreiert.
Botschaften
Ein-Wort-Botschaft: KALT!
Zwei-Wort-Botschaft: ES SCHNEIT!
Fünf-Wort-Botschaft: ES BLEIBT ABER NICHT LIEGEN!
Memo an mich: Dringend Winterjacke, Stiefel, Handschuhe und Mütze besorgen.
All Kids for Kidsclub
So kurz vor Saisonende wird aus der mal mehr mal minder freundlichen front desk-Tante dann die Kinderbespaßungstante. Gestern also wie eine Wilde Truthähne und Kürbise ausgeschnitten, ausgemalt, beklebt, “I am thankful for…”-Zettel geschrieben… Kinder davon abgehalten Klebstoff zu futtern und sich Flitter in den Haaren zu verteilen… Es ist erstaunlich, welche Körperteile Kinder mit Kleister einsauen können (bei sich selbst und bei anderen). Bei dem 14-monatigen Mädchen, das voller Begeisterung dabei zugesehen hat, wie ich ihr einen Truthahn ausgeschnitten und verziert habe und natürlich kräftig mitgeholfen hat, indem sie immer mal wieder mit den Händen auf den Truthahn schlug und dann drüberwischte, hätte meines Erachtens nur eine Ganzkörpergrundreinigung geholfen. Die dazugehörige Mom benötigte dafür nur ein wenig Wasser und Papiertaschentücher. Erstaunlich!
Wieso, weshalb, warum?
Wie lange hält die Warum-Phase bei Kleinkindern eigentlich an? Ich habe den Eindruck, bei der niederländischen Kollegin hält sie bis jetzt an und sie ist schon 26. Sehr, sehr anstrengend, wenn man bei allem, was man so tut, gefragt wird, warum man das macht oder warum man das genauso und nicht anders macht. Weiter geht es dann meistens mit “Wie viele Gäste sind gerade da?”, “Wer von denen kommt zum Essen?”, “Warum bzw. Warum nicht?” und “Wann gibt es diese oder jene Eissorte wieder?” (Antwort: Gar nicht, wir schließen am Montag!) und dann wieder “Warum?” – Antwort: Weil wir Montag schließen?” – “Warum?” – “Weil man hier im Winter nicht treten kann.” – “Warum?” – “Wegen des Schnees.” – “Warum?” Bitte Telefon klingle doch mal!
Thanksgiving Weekend
Ab heute geht es los: Das Thanksgiving Weekend. Selten war eben dieses so gut gebucht wie 2009. Zu blöd, dass es die ganze Woche mit Ausnahme von gestern geregnet hat :S. Schön ist es hier trotzdem, die Bäume bzw. deren Blätter werden gelb und rot…

Der Countdown läuft
Noch fünf Tage Wald. Dann schließt Severn Lodge für den Winter. Noch ganze fünf Tage. War eben nicht noch Mai? Und jetzt ist schon Oktober? Wann ist bitte das passiert? Jedenfalls muss ich mich jetzt mit diesem Umstand auseinandersetzen: Ich werde nicht ewig im Wald sitzen. Darum bin ich jetzt schon seit ein paar Tagen fleißig am Planen. Das Landei geht wieder auf Reisen. Die Stationen sind geplant, Hostels bzw. B&Bs, ein Flug und eine Fährtfahrt sind gebucht. Fehlen nur noch die Bustickets, die ich dann jeweils vor Ort hole. Ich bin dann mal die Tage zählen, bis es losgeht… ;)
Die Tücken der Nachsaison
Manchmal… ja, manchmal… da ist die Nachsaison fast anstrengender als die Hauptsaison – so wie gestern: Wir haben neun Gäste da. Fünf davon arbeiten auf Montage in Port Severn und sind quasi nie anwesend. Der 93-jährige Herr, der schon seit Urzeiten jedes Jahr um diese Zeit hierher kommt, kann sich bis auf ein Schwätzchen hier und da auch ganz gut alleine beschäftigen. Knackpunkt: Die Leute in der etwas weiter entfernten Blockhütte. Nein, sie sind keine Nörgler, aber… naja… ohne Strom ist halt alles etwas eingeschränkt. Unser Hausmeister glaubte, eine Explosion gehört zu haben und meinte, ein Transformator wäre mal wieder explodiert. Daraufhin wurde Hydro One angerufen, die auch gleich eine Stunde später da sein wollten – letztlich waren es so etwas zwei Stunden später. Nun gut. Ich hatte die Gäste aus dieser Blockhütte am Tresen und unterhielt mich nett, als auf mein Angebot, sie in ein anderes Zimmer umziehen zu lassen bzw. wenigstens die Wartezeit dort zu verbringen, ein seufzendes “Ach, eigentlich vermissen wir nur unseren Nachmittagstee” kam. Nachmittagstee ist kein Problem. Mit Hilfe der besten Zimmergenossin von allen (sie kennt die Küche wie ihre Westentasche, ich weiß bloß, welche Türen nachts abgeschlossen zu sein haben ;) Kännchen mit heißem Wasser, Tassen, Teebeutel und anderes Teetrinkequipment geholt und alles in der Bibliothek aufgebaut. Da war es aber blöderweise ziemlich frisch. Also den Kamin angeschmissen (konnte ja keiner ahnen, dass die Bibliothek ausschließlich über eben diesen beheizt wird). Jedenfalls saßen sie dann da, tranken Tee, genossen das Feuer, lasen Klatschblätter und unterhielten sich ein bisschen nett – auch mit mir – und merkten so gar nicht, wie drei Stunden vergingen, die ihre Hütte keinen Strom hatte, Hydro One auf sich warten ließ und dann auch noch eine Weile werkeln mussten. Der mittlere Oberboss zeigte sich beeindruckt. Ich mich auch. Er sich, weil ich mitgedacht und den Kamin angemacht habe. Ich mich, weil es auf Anhieb geklappt hat ;).
Nachdem diese Krise überstanden war, gab es auch noch walk-in-Gäste. So was gibt es hier relativ selten, denn dafür muss man sich im Busch ein bisschen auskennen… Jedenfalls kamen diese drei Holländer, ließen sich ein Zimmer zeigen und weil sie Kamin und Tee gesehen haben und ich nicht sagen wollte “Die kriegen aber nur Tee, weil ihr Zimmer bis eben keinen Strom hatten (von wegen avoid negative statement :P), musste ich gleich wieder zur Tat schreiten: Nochmal Kännchen, Tassen und alles andere holen, nochmal Holz in den Kamin legen, mich unterhalten, Bed&Breakfasts in Niagara Falls raussuchen… Irgendwann dazwischen habe ich die niederländische Kollegin geholt, damit sie die Gäste weiterbespaßt, was sie auch ganz artig gemacht hat :D.
Tja, so sehen sie aus, die Spätschichten der Nachsaison. Die Frühschicht, die ich abgelöst habe, hat gejammert, dass es gar nichts zu tun gab. Also… ich konnte mich nicht beklagen…