Hörsturz

Hörsturz

Also, das mit dem Telefonieren habe ich probiert. Ich habe ihm eine faire Chance gegeben… aber das Gespräch von Person zu Person via ein geringeltes Kabel ist einfach nicht mein Medium. Erst habe ich mich an Assistentinnen und Reisebüros versucht. Memo an mich: Ein bestimmtes Reisebüro in der Schweiz nicht mehr anrufen. Ich weiß bis heute nicht, wie wir eigentlich verblieben sind – zu blöd, dass die deutsche Sprache so unterschiedlich sein kann… Dann hatte ich ein paar Mal Glück und habe mit Anrufbeantwortern reden können. Das war sehr nett. Die widersprechen nicht und sind sehr geduldig. Und von da an ging es abwärts. Ich habe einen superduper wichtigen Statuskunden geweckt. Jawoll, geweckt. Kaum zu glauben – die sind statistisch zwei Drittel des Jahres in der Luft – und trotzdem tun sie so banale Dinge wie schlafen. Sie klingen auch verschlafen… bis man ihnen mitteilt, dass man Geld überweist, dann sind sie auf einmal richtig wach und freundlich. Ich glaube, das dürfte auch das bisher einzige Mal, seit ich den Job habe, gewesen sein, dass ich ein “Das tut mir wirklich leid” auch genauso gemeint habe. Zu meiner Verteidigung: Ich konnte ja nicht ahnen, dass er in einer anderen Zeitzone ist… Und dann kam letzte Woche Mittwoch. Letzte Woche Mittwoch hatte ich das große Vergnügen, einem Kundenwunsch nach einem Rückruf zu erfüllen. Ich hatte mich gut vorbereitet und dachte eigentlich, ich hätte gute Nachrichten. Ich wusste, wo der Koffer war und wann er ausgeliefert würde, ich kannte den Haftungsrahmen und den Kulanzrahmen… Ich hatte mir einen Schmierzettel und einen Stift zurecht gelegt und alle wichtigen Programme offen. Wenn das eine Leistungsüberprüfung gewesen wäre, hätte ich richtig gut abgeschnitten… Aber ich hatte die Rechnung ohne den Kunden gemacht, der offenbar nur darauf gewartet hatte, dass sich jemand von seine bevorzugten Fluggesellschaft meldet. Ich konnte gerade noch meinen Namen und den Namen des Unternehmens sagen, als er auch schon los brüllte. Er hat mich sage und schreibe 38 Minuten lang angebrüllt, beschimpft und sich mal so richtig ausgekotzt – schöner lässt sich das nicht sagen. Ein richtiger Rundumschlag – und mein Gehör und ich waren Zeuge. Ein Wunder, dass wir uns so schnell davon erholt haben. Ich habe nicht einen Satz zu Ende bringen können und die drei Worte, die ich sprach, wurden mir umgehend im Mund umgedreht. Tja, und so habe ich böser, dreckiger Lügner (O-Ton, leider) dem armen, wenig geschätzen Statuskunden (ebenfalls O-Ton, *seufz*) dazu geraten, sich an die Presse zu wenden… und dass nur, weil der Kunde mich vor dem wichtigen Teil des Satzes unterbrochen hat. Dumm gelaufen. Auf jeden Fall war das das letzte Telefonat, das ich mit einem Kunden geführt habe. Ganz sicher.

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